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Ein Abschied mit Fragezeichen: Das Aus von MOVEMENT’32“
Die Versorgung ist das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft, doch ihre Bedeutung bleibt oft unsichtbar. MOVEMENT’32 wollte das ändern und die Versorgungssicherheit langfristig stärken. Nun wurde die Initiative überraschend eingestellt. Was steckt hinter diesem frühen Ende?
MOVEMENT’32 war eine ambitionierte Initiative, die die Versorgungssicherheit der Schweiz langfristig stärken wollte. Die Bewegung verstand Supply als umfassenden Begriff für Einkauf, Logistik, Lagerhaltung, Transport, internationale Spedition, Verpackung, Recycling und Entsorgung. Es sind dies zentrale Funktionen des Güterkreislaufs, ohne die eine hochentwickelte Volkswirtschaft wie die Schweiz nicht funktionieren könnte. Rund 300 000 Menschen arbeiten direkt in diesen Bereichen, doppelt so viele indirekt. Damit hängt nahezu jede fünfte Arbeitsstelle in unserem Land von funktionierenden Versorgungssystemen ab. Trotzdem bleibt die Branche in der öffentlichen Wahrnehmung meist im Hintergrund.
Idee an der Komplexität gescheitert
MOVEMENT’32 wollte diesen Zustand verändern. Die Initiative sollte Aufmerksamkeit schaffen, Kompetenzen bündeln und die Schweiz auf eine langfristig resilientere Versorgung ausrichten. Spätestens seit Pandemie, geopolitischen Spannungen und Engpässen in globalen Lieferketten ist klar, wie empfindlich das System sein kann. Genau hier setzte MOVEMENT’32 an, indem es einen Zeithorizont von mindestens zehn Jahren wählte und damit bewusst ein strategisches Gegenmodell zu kurzfristigem Denken formulierte.
Dass die Initiative nun eingestellt wurde, sorgt in der Branche für Verwunderung. Offizielle Gründe wurden kaum kommuniziert. Verschiedene Beobachter nennen jedoch mehrere mögliche Faktoren. Einerseits ist Versorgungssicherheit ein komplexes Thema, das politisch nur selten prioritär behandelt wird. Es konkurriert mit sichtbaren und medial präsenten Themen wie Energie, Migration oder Gesundheitskosten. Andererseits ist die Branche stark fragmentiert. Akteure aus Einkauf, Logistik, Transport, Recycling oder Verpackung arbeiten zwar im selben Kreislauf, bewegen sich aber in unterschiedlichen Strukturen und verfolgen teils unterschiedliche Ziele. Eine nationale Bewegung aufzubauen, die alle vereint, ist organisatorisch anspruchsvoll und erfordert langfristige Ressourcen.
Dazu kommt der Charakter des Projekts. MOVEMENT’32 wollte bewusst in Jahrzehnten denken. Damit passte die Initiative nicht problemlos in politisch und wirtschaftlich dominierte Zeitfenster, die eher auf kurzfristige Resultate ausgerichtet sind. Es scheint, als habe es der Bewegung letztlich an breiter Verankerung und an stabiler Finanzierung gefehlt, um die Grundidee weiterzutragen.
Das Ende von MOVEMENT’32 bedeutet jedoch nicht, dass das Thema an Bedeutung verloren hat. Im Gegenteil. Die jüngsten Krisen zeigen deutlicher denn je, wie entscheidend stabile Versorgungssysteme für Bevölkerung und Wirtschaft sind. Der Bedarf an einer übergreifenden Strategie bleibt bestehen. Auch wenn MOVEMENT’32 nicht weitergeführt wird, bleibt die Frage offen, wer die entstandene Lücke füllen wird. Die Herausforderungen verschwinden nicht, nur weil die Initiative endet. Die Schweiz wird eine neue Bewegung oder ein neues Format entwickeln müssen, das die Versorgungssicherheit als Gemeinschaftsaufgabe versteht und langfristig stärkt.
Redaktion log-net.ch
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